GEWERBE REGION FRICK
  www.geref.ch
  

«Den Kunden Sicherheit geben»

«Runder Tisch» zum starken Franken auf dem Rhein

ThemaFranken

«Wir sitzen alle im gleichen Boot»: Unter der Leitung von NFZ-Chefredaktor Walter Herzog (vierter von links) diskutieren acht Mitglieder von Gewerbe Region Frick über den starken Franken.


«Wir sitzen alle im gleichen Boot»: Unter der Leitung von NFZ-Chefredaktor Walter Herzog (vierter von links) diskutieren acht Mitglieder von Gewerbe Region Frick über den starken Franken.

Das Gewerbe im Fricktal leidet unter dem starken Franken. Der Umsatz - rückgang beträgt je nach Branche zwischen 10 und 20 Prozent. Dies auch bei Produkten, die im Euroraum gar nicht günstiger sind.

Der starke Franken hat die Schweiz im Griff. Seit der Beinahe- Wechselkurs-Parität zwischen Franken und Euro vor wenigen Wochen sind Nervosität und Verunsicherung in der Schweizer Wirtschaft nochmals deutlich gestiegen. Während sich die Schweizer Konsumenten an den Kassen im Euroraum die Füsse platt stehen, kämpfen Exportunternehmen hierzulande ums überleben. Daran hat auch die Intervention der Schweizerischen Nationalbank (noch) wenig geändert. Sie hat eine Wechselkursuntergrenze von 1,20 Franken pro Euro festgelegt und verteidigt diese bislang mit Erfolg.

Doch wohin muss der (Kurs-)Weg führen, damit er den Schweizer Firmen nützt? Wie gehen Fricktaler Gewerbebetriebe, die ja seit jeher mit der Grenze leben (müssen), mit dem verstärkten Kundenstrom über die Grenze um? Die Neue Fricktaler Zeitung und das Gewerbe Region Frick haben an einem «runden» Tisch am Ort des Geschehens, an der Grenze zu Deutschland respektive über derselben auf dem Rhein, über das Heute und Morgen diskutiert.

Fazit der gut einstündigen Diskussionsrunde auf der «MS Laufenburg»: Nicht alle spüren den starken Franken gleich stark. Während beispielsweise Christoph Vogel mit seinem Malergeschäft (noch) nicht direkt betroffen ist, müssen andere Unternehmen Umsatzeinbussen von 10 und 20 Prozent verkraften. Dennoch: Ihnen geht es im Vergleich mit der exportierenden Industrie nach wie vor recht gut. Die Kundentreue ist hoch – solange Qualität, Beratung und Service stimmen. Für die Zukunft gilt es, den Fokus noch stärker auf diese drei Bereiche zu legen. «Wir bewegen uns in der Schweiz in vielen Bereichen in einem Premium- Segment», weiss Markus Kunz von der Bäckerei Kunz in Frick. «Da braucht es auch in Sachen Qualität und Service besondere Anstrengungen.»

Zudem gilt es, den Kunden aufzuzeigen, dass die Produkte in der Schweiz – rechnet man Service und Nebenleistungen ein – gar nicht unbedingt teurer sind als im Euroraum. «Wir müssen den Kunden die Sicherheit geben, dass sie bei uns nicht zu viel bezahlen», brachte es Heinz Frei von der Langenfeld Garage AG in Oeschgen auf den Punkt. Dazu ist es allerdings unabdingbar, dass die Kunden ins Geschäft kommen. Und hier liegt für die acht Unternehmer eine der Hauptschwierigkeiten. «Die Leute haben das Gefühl, dass im Euroraum alles günstiger ist, nur weil die Lebensmittel es sind. Deshalb kommen einige gar nicht mehr erst im Geschäft vorbei», hat Peter Frey von der Joh. Frey AG in Frick beobachtet.

Eine Fehleinschätzung, wie René Leuenberger von der Gärtnerei Leuenberger in Laufenburg, weiss. Dies zu vermitteln, den Kunden also die (Preis-)Sicherheit zu geben, «ist das beste Rezept gegen die Krise», ist Christoph Vogel überzeugt. «Wir sitzen alle im gleichen Boot», bilanzierte der Präsident von Gewerbe Region Frick. Unternehmer wie Kunden. Für die acht Gewerbler ist denn auch klar: «Wer in der Schweiz sein Geld verdient, sollte es auch hierzulande ausgeben.»


«Für die Kunden noch mehr Zeit nehmen»

Fricktaler Gewerbetreibende wollen dem starken Franken mit Aufklärung begegnen. Der starke Franken stellt auch das Gewerbe in der Region vor Heraus - forderungen. Gefragt sind Information, Innovation und Servicedenken. Zudem muss der Eurokurs mittelfristig wieder zwischen 1,40 und 1,60 Franken liegen.

FRICKTAL. Der starke Franken stellt das Gewerbe in der Region vor siebenfache Herausforderungen. Ers - tens bleiben zwischen 10 und 20 Prozent der Kunden aus, weil sie im Euroraum einkaufen. Insbesondere den August hat Barbara Meier vom Wohn Ambiente in Frick als «sehr durchzogen » erlebt. Gekauft werden im Euroraum dabei selbst Produkte, die dort gar nicht günstiger sind als in der Schweiz. «Die Preise werden zum Teil nicht einmal verglichen», hat Peter Frey vom Uhren- und Optikfachgeschäft Frey AG in Frick festgestellt. Hier gilt es «Gegensteuer zu geben». Dies kann für Heinz Frei von der Langenfeld Garage AG in Oeschgen nur über eine gute Information und eine ebensolche Beratung erfolgen. «Wir müssen uns für die Kunden noch mehr Zeit nehmen.»

Zweitens, und davor haben alle acht Unternehmer, die am Montag am «Frankengipfel» der Neuen Fricktaler Zeitung und des Gewerbes Region Frick teilnahmen, Respekt: Der Gang über die Grenze könnte zum Selbstläufer werden. «Wenn die Kunden erst einmal ihr Einkaufsverhalten geändert haben, kommen sie kaum mehr zurück», brachte Markus Kunz von der Bäckerei Kunz in Frick die Befürchtung auf den Punkt.

«Wir müssen ihnen zeigen, weshalb sie bleiben sollen», fordert René Leuenberger von der Gärtnerei Leuenberger in Laufenburg, der in den letzten zwei Monaten «eine Hetzjagd auf die Preise» beobachtet hat. Dazu könne jeder Mitarbeiter seinen Beitrag leisten. «Er muss sich gegenüber den Kunden wie ein kleiner Unternehmer verhalten und sich bewusst sein, dass er mit seiner Arbeit eine Dienstleistung verkauft. » Gerade der Service am Kunden, so mahnte Markus Kunz, müsse wieder stärker beachtet werden. «Wir haben zum Teil hohe Preise und dafür dürfen die Kunden auch entsprechende Leistungen erwarten.» Dieses Preis- Leis tungs-Verhältnis ist heute unter anderem im Gastgewerbe nicht mehr allerorts in Gleichgewicht. Ein drittes Problem liegt für die Gewerbetreibenden in den «nach wie vor zu hohen Preisen, die wir den Lieferanten bezahlen müssen», benennt Heinz Frei einen grossen Kostentreiber. Die Preise seien bis zu 20 Prozent überhöht. Steinplatten, so nannte René Leuenberger ein Beispiel, könne ein Privatkonsument in einem deutschen Baumarkt günstiger einkaufen als er im Fachmarkt. Besonders störend: «Zum Teil werden Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden, im Euroraum günstiger verkauft », ärgert sich Peter Frey.

Ein viertes Problem, an dem indes kein Weg vorbeiführt, sind die hohen Lohnkosten in der Schweiz. «Sie machen bei uns rund 70 Prozent aus», erklärte Markus Kunz, der selber von der Frankenkrise bislang nur am Rande («in Stein kommen weniger Gäste aus Deutschland ») betroffen ist. Gerade deshalb sei es wichtig, den Kunden zu zeigen, «was hinter dem Preis steckt». Dazu gehören auch die Leistungen an die Gesellschaft wie die Ausbildung von Berufsleuten.


Den Kunden Argumente geben

Dies ist, fünftens, gleichzeitig ein wichtiges Argument für den Einkauf in der Schweiz. «Wer hier das Geld verdient, sollte es auch hier ausgeben», ist Peter Frey überzeugt und nannte als Beispiel eine Supermarkt- Verkäuferin, die ihre eigenen Lebensmittel – ohne finanziell unter Druck zu stehen – beim Discounter in Deutschland holt. «Ich lebe seit 15 Jahren in der Schweiz und kaufe alle Produkte hier ein», erklärte Lars Leier vom Hotel Restaurant Platanenhof in Frick sein Motto. Diese Einstellung «versuche ich an meine Mitarbeiter weiterzugeben».

Sechstens, und dies ist ein positives «Problem», wollen die Kunden gar nicht per se im Euroraum einkaufen. «Sie suchen vielmehr das Gespräch», hat Heinz Frei beobachtet. «Wenn wir sie mit Argumenten überzeugen können, bleiben sie bei uns.» Wichtigster Schritt dabei: «Dass die Kunden ins Geschäft kommen», meint Christoph Vogel. Sei dieser erste Schritt getan, sei bereits viel erreicht.

«Das Gespräch mit den Kunden» erachtet Konrad Schilling von Schilling Schreinerei-Küchenbau in Frick als eine der wichtigsten Massnahmen gegen den starken Franken. Dem pflichten alle Unternehmer zu. Von höheren Arbeitszeiten und in Euro ausbezahlten Löhnen indes halten sie wenig. «Das mag für exportorientierte Firmen ein Weg sein», meinte René Leuenberger. Beim Gewerbe jedoch würde unter solchen Massnahmen die Motivation der Mitarbeitenden und damit die Qualität der Arbeit leiden. Mit anderen Worten: Der (Franken-)Hund würde sich in den eigenen Schwanz beissen.

Klar ist für die acht Gewerbetreibenden, die am NFZ-«Frankengipfel » auf der «MS Laufenburg» teilnahmen, siebtens, dass der Euro auf Dauer nicht bei 1,20 Franken verharren darf, sollen die Unternehmen nicht in strukturelle Probleme rutschen. Mittelfristig müsse sich der Eurokurs wieder bei 1,40 bis 1,60 Franken einpendeln.

Dass es bis dahin ein weiter Weg ist, sind sich alle bewusst. «Es ist derzeit schon gut, wenn die Schweizerische Nationalbank die Kursuntergrenze von 1,20 Franken halten kann», erklärte René Leuenberger. Und auch Markus Kunz, der als Bezirksvertreter des Aargauischen Gewerbeverbandes einen vertieften Gewerbe(ein)blick hat: «Es kommen schwierige Monate auf uns zu.» Dabei sei es noch ein Glück, so Christoph Vogel, dass die Unternehmen in der Schweiz auf hohem Niveau mit dem Frankenproblem konfrontiert wurden und deshalb noch Reserven haben. Dennoch ist auch für ihn klar: «Wir sitzen alle im gleichen Boot und müssen gemeinsam in sicheres Gewässer gelangen.»


Der starke Franken wirkt sich je nach Branche unterschiedlich aus

Der starke Franken trifft die Unternehmen unterschiedlich hart. Während Lars Leier vom «Platanenhof » in Frick beim Hotelbetrieb kaum einen Einfluss merkt, ist er im Gastrobereich spürbar. «Am Mittag kommen die Gäste wie gewohnt, doch am Abend bleibt ein Teil aus.» Ebenfalls ein differenziertes Bild zeichnet Peter Frey von der Frey AG in Frick. Bei beratungsarmen Produkten wie einer Uhr wirkt sich der starke Franken stärker aus als im dienstleistungsintensiven Segment wie der Optik. Den Frankeneffekt konnte Frey bislang dank guten ersten Monaten kompensieren. Dabei zeigten sich auch regionale Unterschiede: In der Filiale in Lenzburg spürt Peter Frey den starken Franken nicht.

Weniger Frankensorgen haben bislang die Premium-Produkteanbieter wie die Bäckerei Kunz oder die beratungsund dienstleistungsintensiven Branchen wie das Malergewerbe. In der Autobranche haben sich die Direktimporte zwar verdoppelt, bewegen sich mit rund sechs Prozent aber immer noch auf relativ tiefem Niveau. Positiv auf den Absatz haben sich laut Heinz Frei von der Langenfeld Garage AG in Oeschgen die Preisnachlasse der Hersteller ausgewirkt, die bis zu 20 Prozent betragen können. «Die Zeitungen sind voll mit Rabattanzeigen und dies bringt uns die Kunden in die Showrooms.» Schwieriger wäre die Situation, wenn die Kunden den Service und die Reparaturen im grenznahen Ausland ausführen liessen. «Bislang sind wir davon zum Glück verschont geblieben. »

Eine zweigeteilte Frankenbilanz zieht Barbara Meier vom Wohn Ambiente in Frick. Während sie bei den Vorhängen wenig spürt, ist die Boutique-Bilanz im August durchzogen. Ihr Rezept: «Eine kleinere Lagerhaltung.» Denn sonst droht die Gefahr, dass die vor Monaten teuer eingekauften Produkte unter dem Einstandspreis verkauft werden müssen. Einen Franken-Einfluss auf den Umsatz spüren auch Konrad Schilling von Schilling-Schreinerei-Küchenbau in Frick und René Leuenberger von der Gärtnerei Leuenberger in Laufenburg. Der Gärtnermeister hat dabei zweierlei festgestellt: Erstens kommen weniger deutsche Kunden in den Blumenladen. Zweitens «sieht man viel mehr Gärtner mit deutschen Autonummern durch das Fricktal fahren».

Bilder und Texte: Thomas Wehrli, NEUE FRICKTALER ZEITUNG
  © GEWERBE REGION FRICK 2004